Politische Partizipation

Die Stimme von Menschen mit einer geistigen Behinderung wird in der Politik noch selten gehört. Einerseits fehlt den Politiker*innen das Bewusstsein, dass auch Menschen mit Behinderung Ideen, Vorschläge und Anliegen haben. Andererseits braucht es eine Ermächtigung, damit diese sich für ihre Anliegen stark machen können.

Eine Collage von neun rechteckigen Porträts von Personen, darüber der Schriftzug ichwillwählen.
Die politischen Rechte sind in der Verfassung garantiert, bei der Umsetzung ist allerdings noch viel zu tun.

Menschen mit geistiger Behinderung setzen sich in der Politik ein

Viele Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung wollen abstimmen, wählen und sich für ihre Anliegen einsetzen können. Dabei sind aber die Hürden hoch: Neben der politischen Bildung fehlen zugängliche Informationen. Menschen, die unter einer umfassenden Beistandschaft stehen, haben zudem keine politischen Rechte.

In Grundsätzlich erhalten in der Schweiz alle Schweizer Bürger*innen ab 18 Jahren die Abstimmungs- und Wahlunterlagen. Auch dürfen sie sich zur Wahl in ein politisches Amt stellen. Das sind die politischen Rechte, die in der Verfassung garantiert sind.

Von den politischen Rechten ausgeschlossen sind beim Bund und in den meisten Kantonen aber Menschen, die unter einer umfassenden Beistandschaft stehen.

Eine Frau mit Brille und verschränkten Armen vor einer bemalten Wand.
Die politischen Rechte sind in der Verfassung garantiert.

Ausschluss von den politischen Rechten

Von den politischen Rechten ausgeschlossen sind beim Bund und in den meisten Kantonen aber Menschen, die unter einer umfassenden Beistandschaft stehen. In der Schweiz sind rund 15’000 Personen vom Ausschluss betroffen, ein Teil davon Menschen mit einer geistigen Behinderung. Ausserdem erhalten auch Personen mit einer geistigen Behinderung, die nicht unter einer umfassenden Beistandschaft stehen, ihre Wahlunterlagen nicht immer. Damit verletzt die Schweiz die UNO-Behindertenrechtskonvention, welche die Vertragsstaaten dazu verpflichtet, alle Menschen mit einer Behinderung abstimmen und wählen zu lassen.

Seit einer Volksabstimmung im Kanton Genf im November 2020 haben bei kantonalen und kommunalen Abstimmungen und Wahlen in Genf aller volljährigen Stimmbürger*innen das Wahl- und Stimmrecht, auch Menschen mit einer Behinderung.

insieme Schweiz setzt sich zusammen mit Menschen mit einer Behinderung dafür ein, dass weitere Kantone und der Bund den rechtswidrigen Ausschluss aufheben und Menschen mit einer Behinderung in jedem Fall das Stimm- und Wahlrecht zugestehen. Die politischen Rechte sind Grundrechte, die allen Personen zustehen.

Keine Teilhabe ohne Informationen in leichter Sprache

Voraussetzung für die Bildung der eigenen Meinung sind verständliche Informationen zu diesen Themen:

  • politisches System
  • Abstimmungsvorlagen
  • Parteiprogramme

Solche zugänglichen Informationen sind nicht nur für Menschen mit Behinderung hilfreich, sondern für einen Grossteil der Bevölkerung.

Titelbild der Broschüre mit dem Schriftzug Wahlhilfe.
An der Broschüre haben Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung mitgearbeitet.

Für die Eidgenössischen Wahlen von National- und Ständerat im Oktober 2019 hat insieme Schweiz in Zusammenarbeit mit easyvote eine Wahlhilfe in leichter Sprache ausgearbeitet. Der Bund hat ausserdem auf ch.ch in leichter Sprache erklärt, wie man wählen kann.

Wahlen 2019 in leichte Sprache auf ch.ch

insieme Schweiz setzt sich dafür ein, dass weitere Informationen in leichter Sprache entwickelt werden und Menschen mit einer geistigen Behinderung mehr über Politik lernen können. Dafür unterstützt insieme Capito Zürich bei deren Projekt «Politik in Leichter Sprache».
Mehr zum Capito-Projekt

Die Angebote der regionalen insieme-Vereine geben Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit, mehr über Politik zu lernen und sich mit Politikern auszutauschen.
«Insieme Cerebral will den Zugang zu Politik vereinfachen», Zuger Zeitung, 30.11.2020

Noch einen Schritt weiter geht das Projekt «Disabled in Politics». Es erforscht, wie Menschen mit Behinderung in der Schweizer Politik auf vielfältige Weise benachteiligt sind. Und es will ein Bewusstsein schaffen für die Barrieren sowie möglichen Gegenmassnahmen beim Zugang zum passiven Wahlrecht.

Mehr zum Projekt «Disabled in politics»

Wahlhilfe in leichter Sprache und die Kampagne #ichwillwählen
Nicht alle Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung interessieren sich für Politik und wollen abstimmen. Für viele ist es jedoch wichtig, sich für die eigenen Anliegen und die Anliegen von Menschen mit Behinderung einzusetzen.
Im Rahmen der nationalen Wahlen von 2019 hat insieme Schweiz die Kampagne #ichwillwählen lanciert. Dabei erzählen Menschen mit einer geistigen Behinderung, warum es für sie wichtig ist, dass sie in der Politik mitbestimmen dürfen.

Mehr zur Kampagne

Dazu hat insieme Schweiz in Zusammenarbeit mit easyvote eine Wahlhilfe in leichter Sprache ausgearbeitet.

Das Projekt insieme inklusiv schafft neue Möglichkeiten der Mitbestimmung in den insieme-Vereinen

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