Inklusive Schule: Lehrpersonen bekräftigen Forderung nach besseren Bedingungen 

Gepostet am

Eine knappe Mehrheit der Lehrpersonen in der Schweiz steht hinter der inklusiven Schule. Das zeigt eine vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) veröffentlichte Umfrage. Die befragten Lehrpersonen machen aber deutlich: Für die Umsetzung braucht es bessere Rahmenbedingungen, mehr Ressourcen und das Engagement aller Beteiligten.  

Kinder mit und ohne Behinderung haben das Recht, gemeinsam zu lernen und am Schulalltag teilzuhaben. Dieses Recht ist in der UNO-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verankert und bildet die Grundlage einer inklusiven Schule. insieme Schweiz setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass Kinder mit einer kognitiven Beeinträchtigung und ihre Familien die notwendige Unterstützung erhalten, um dieses Recht auf inklusive Bildung auch tatsächlich wahrnehmen zu können.  

In der Umsetzung besteht grosser Handlungsbedarf: In einer 2025 durchgeführten Umfrage von insieme Schweiz berichteten viele Eltern von Kindern mit einer kognitiven Beeinträchtigung, dass es erhebliche Anstrengungen braucht, damit ihr Kind eine Regelschule besuchen kann. Gleichzeitig stand die inklusive Schule in den vergangenen Monaten immer wieder in der öffentlichen Kritik. Die repräsentative Umfrage des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) unter Deutschschweizer Lehrpersonen gibt nun erstmals Einblick in deren Haltung.  

Gute Rahmenbedingungen als Voraussetzung 

Die befragten Lehrpersonen machen deutlich: Schulische Inklusion kann nur gelingen, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden sind. Unter den heutigen Bedingungen steht knapp die Hälfte der Lehrpersonen der inklusiven Schule kritisch gegenüber. Insbesondere bei den finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen sieht die Lehrerschaft deutlichen Aufholbedarf. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird die inklusive Schule hingegen überwiegend positiv bewertet. 

Diese Einschätzung deckt sich mit den Forderungen von insieme Schweiz. Sowohl für den Regelunterricht als auch für den sonderpädagogischen Bereich müssen ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen. Lehrpersonen, Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie weitere Fachpersonen benötigen genügend Zeit und Unterstützung, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden zu können.  

Inklusion braucht alle Beteiligten 

Ebenso wichtig ist ein klares Bekenntnis zur schulischen Inklusion auf allen Ebenen. Politik, Bildungsbehörden und Schulen müssen endlich gemeinsam Verantwortung übernehmen, um die inklusive Schule Schritt für Schritt Realität werden zu lassen. Inklusion kann nicht allein von einzelnen Lehrpersonen getragen werden. Sie ist eine Aufgabe des gesamten Bildungssystems und der Gesellschaft insgesamt. 

 

 

 

Die inklusive Schule kommt allen zugute

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass der inklusive Unterricht die schulischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen verbessern kann, ohne negative Auswirkungen auf ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zu haben. Im Gegenteil: Inklusive Schulen fördern soziale Kompetenzen und stärken das gegenseitige Verständnis. Zudem belegen Forschungsergebnisse, dass schulische Inklusion die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen verbessern kann. Davon profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft. 

Sensibilisierungskampagne ab Herbst 

Im Herbst lanciert insieme Schweiz die Kommunikationskampagne „Gemeinsam in die Schule“. Im Zentrum steht ein kurzer Dokumentarfilm über den neunjährigen Nadji und seine Familie. Nadji lebt mit Trisomie 21 und besucht eine öffentliche Schule, in der er dank individueller Begleitung in seinem eigenen Tempo lernen und sich weiterentwickeln kann. 

Der Film gewährt Einblicke in seinen Schulalltag und zeigt, welche Chancen inklusive Bildung eröffnet. Er wird Ende September veröffentlicht.