Kinderwunsch und Elternschaft

Auch bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung kann der Wunsch entstehen, eine eigene Familie zu gründen. Dies kann beim Umfeld Betroffenheit oder Sorge auslösen. Wichtig sind dabei tragfähige Unterstützungsangebote und Begleitung. In der Schweiz gibt es dafür noch kaum spezialisierte Angebote.

Eine junge Frau in Jeans umarmt ihren kleinen Sohn.
Viele Menschen verspüren den Wunsch nach einem eigenen Kind.

Der Wunsch nach einem Kind betrifft oft auch das Umfeld

Der Kinderwunsch einer Person mit kognitiver Beeinträchtigung ist ernst zu nehmen und eine Auseinandersetzung damit zu begleiten. Von diesem Wunsch oder von einer bereits bestehenden Schwanger- oder Elternschaft fühlt sich oft ein weiteres Umfeld betroffen. Wichtig für alle Beteiligten ist ein auf die individuelle Situation zugeschnittenes Unterstützungsangebot.

Der Wunsch nach einem eigenen Kind, nach einer eigenen Familie entsteht bei vielen Menschen und entspricht einer natürlichen Entwicklung. Die Familiengründung und Eheschliessung gehören zu den geschützten Grund- und Menschenrechten einer jeden Person, die nicht eingeschränkt werden dürfen.

Ein zum Ausdruck gebrachter Kinderwunsch ist ernst zu nehmen. Dieser kann verschiedene Beweggründe haben, wie zum Beispiel der Wunsch, für jemanden wichtig und nicht alleine zu sein, Sorge und Verantwortung zu übernehmen oder der Wunsch nach Normalität.

Hat eine Frau, ein Mann oder ein Paar mit geistiger Behinderung eigene Kinder, dann gilt es, diejenigen Bereiche zu identifizieren, wo Unterstützung notwendig ist.

Eine junge Frau spielt mit ihrem Kind Fangen.
Hat eine Person mit geistiger Behinderung ein Kind, betrifft dies auch das Umfeld.

Ein erster Schritt in der Begleitung der Person mit kognitiver Beeinträchtigung kann sein, gemeinsam die dahinter liegende Motivation zu klären. Mit dieser können auch verschiedene Vorstellungen verknüpft sein, Elternschaft zum Beispiel als ungewisse Herausforderung, als erfüllende Ganztagesaufgabe, als einfache Nebensache oder als eigene Beschäftigungsmöglichkeit angesehen werden.
Als nächster Schritt sind bestehende Vorstellungen zu klären. Dabei können Angebote unterstützend sein, die die Anforderungen bei der Kinderbetreuung konkreter und erlebbar machen: aktive Mithilfe in einer Kita oder bei bekannten Familien, Kurse oder Lernangebote.

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Die gemachten Erfahrungen sind Grundlage für das weitere Gespräch, zu dem auch Aufklärung über kindliche Bedürfnisse und Entwicklung gehört. Sollte sich ein Kinderwunsch konkretisieren, dann ist zu eruieren, in welchen Bereichen bei einer Elternschaft vermutlich Unterstützung und Begleitung notwendig werden und wer diese leisten könnte.

Nimmt die Person mit Behinderung hingegen Abschied von ihrem Kinderwunsch, dann ist auch bei aufkommender Trauer und Schmerz eine enge Begleitung wichtig.

Eine Frau und ihr Kind schauen von einer orangen Holzbrücke auf einem Spielplatz herunter.
Durch die rasche Entwicklung des Kindes verändert sich der Unterstützungsbedarf der Eltern fortlaufend.

Elternschaft

Hat eine Frau, ein Mann oder ein Paar mit geistiger Behinderung eigene Kinder, dann gilt es, diejenigen Bereiche zu identifizieren, wo Unterstützung notwendig ist. Dabei gibt es Unterstützungsleistungen von unterschiedlichen Anbieter*innen wie Mütter- und Väterberatung, Sozialpädagogische Familienbegleitung, Betreute Wohnmöglichkeiten für Mutter und Kind, Entlastungsdienste oder Kita.
Durch die rasche Entwicklung des Kindes verändert sich der Unterstützungsbedarf der Eltern fortlaufend. Auch direkte Unterstützungen für das Kind selber können Thema werden. Die Begleitung muss deshalb regelmässig überprüft und bei Bedarf angepasst werden.
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Angebot für Mütter mit kognitiver Beeinträchtigung: Mutter-Kind-Wohnen.
Dienstleistung «Begleitete Elternschaft» (Deutschland)

Auswirkungen auf das Umfeld

Äussert eine Person mit geistiger Behinderung einen Kinderwunsch, dann fühlt sich oft ein weiteres Umfeld davon betroffen.
Potentielle Grosseltern machen sich Gedanken, ob oder wie ihre Tochter oder ihr Sohn mit kognitiver Beeinträchtigung selber für ein Kind sorgen kann. Die Vorstellung, bei der Betreuung eines Grosskindes mithelfen zu müssen oder diese gar ganz zu übernehmen und so erneut mit der Aufgabe der Kindererziehung konfrontiert zu werden, kann Ängste und Ablehnung hervorrufen.

Dabei kann es zu Interessenkonflikten kommen, wenn sich die verschiedenen Lebensentwürfe der beteiligten Personen nicht entsprechen.
Auch Fachpersonen beschäftigt die Frage betreffend die Fähigkeiten der Person mit geistiger Behinderung zur Kindererziehung und -betreuung und die Möglichkeiten zur Begleitung.
Das Kindeswohl ist in der Regel allen Beteiligten ein primäres Anliegen. Zentral bleiben aber auch die Fragen rund um die Bedürfnisse, das Wohlergehen wie auch die Rechte der Person mit Behinderung. Beide Themen stehen einerseits bei Kinderwunsch wie auch bei bereits bestehender Elternschaft im Zentrum.