Private Wohnformen

Aktuelle Studien zeigen auf, dass immer mehr Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in einer eigenen, privaten Wohnung leben möchten. Sie möchten bestimmen, wo, wie und mit wem sie wohnen.

Eine Frau fährt mit dem Staubsauger über den Boden des Schlafzimmers.
Das Wohnen in den eigenen vier Wänden bringt auch Pflichten mit sich.

Gut vorbereitet in die eigene Wohnung

Das Wohnen in den eigenen vier Wänden bringt nebst vieler Freiheiten auch einige Herausforderungen mit sich. Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen brauchen Unterstützung für den Schritt in das selbständige Wohnen. Dabei ist es normal, dass nicht alles von Anfang an reibungslos klappt. Diese realistische Haltung kann auch bei der Begleitung helfen. Für Angehörige bedeutet dies, nebst der Unterstützung nun zunehmend auch ein Stück weit loszulassen und Erfahrungen zuzulassen.

Oftmals übernehmen Angehörige einen wichtigen Teil der Begleitung und Unterstützung. Für die Unterstützung im Alltag gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, Begleit- und Betreuungspersonen anzustellen. Ein spezifisches Stellenportal für Assistenzpersonen ist die Plattform Cléa. Für alltägliche Besorgungen lässt sich vielleicht auch über die Nachbarschaftshilfe Unterstützung finden.

Finanzierung und Modelle

Die Finanzierung kann durch die Hilflosenentschädigung (HE) (lebenspraktische Begleitung), mit einem Assistenzbeitrag der IV oder durch Finanzhilfen nach Art. 74 IVG (Begleitetes Wohnen) erfolgen. Einige Kantone bieten weitere Finanzierungsmöglichkeiten. Es lohnt sich, sich beim Wohnkanton über die Ansprüche zu informieren.

Hilflosenentschädigung bei der Informationsstelle AHV/IV.

Eine Frau steht in der Küche und rührt in einer Pfanne.
Auch wer alleine kochen kann, braucht vielleicht für die Buchhaltung eine Assistenzperson.

Assistenzbeitrag

Mit dem Assistenzbeitrag kann eine Person mit kognitiver Beeinträchtigung eine Assistenzperson anstellen, die Hilfeleistungen im Alltag erbringt. Zum Beispiel im Haushalt, in der Freizeit oder für den Schulbesuch. Die Arbeitgeber*in-Rolle kann auch von der Beiständin oder dem Beistand übernommen werden. Für Minderjährige und volljährige Personen mit eingeschränkter Handlungsfähigkeit gelten spezifische Bedingungen. Der Assistenzbeitrag kann bei der IV beantragt werden.

Assistenzbeitrag bei der Informationsstelle AHV/IV.
Assistenzbeitrag (Informationen von Pro Infirmis).

Begleitetes Wohnen

Das begleitete Wohnen ist geeignet für Menschen mit Behinderung, die ihr alltägliches Leben weitgehend selber bewältigen können, aber dennoch punktuell Hilfe brauchen. Beim begleiteten Wohnen kommt eine Begleitperson regelmässig vorbei. Sie hilft dort, wo es gewünscht wird. Begleitetes Wohnen wird von Behinderten-Institutionen angeboten, aber auch von Pro Infirmis.

Organisationen der Invalidenhilfe (Art. 74 IVG).
Begleitetes Wohnen von Pro Infirmis.
Begleitetes Wohnen mit Stützpunkt Alltag.

Eine junge Frau spült in der Küche Geschirr.
Das Haushalten kann erlernt werden – in einer Wohnschule.

Vieles ist lernbar

Viele der wichtigen Voraussetzungen, die es für das selbständige Wohnen braucht, sind lernbar. Hilfreich kann sein, eine Wohnschule zu absolvieren, bereits relativ selbständig auf einer Aussenwohngruppe einer Institution oder sonst in einem Setting, das bereits einiges an Selbständigkeit erfordert, zu wohnen.

Auf dem Weg zum selbständigen Wohnen:

Ein junger Mann und eine junge Frau sitzen vor einem Haus auf einer Bank.
Eine Wohnschule bietet eine vielseitige Vorbereitung für das selbständige Wohnen.

Stolpersteine gezielt angehen

Es empfiehlt sich, von Anfang an einige Schwierigkeiten, die allenfalls auftreten könnten, in die Planung mit einzubeziehen. Gut ist auch, frühzeitig einen Plan B bereit zu halten, sollte sich das Leben in der privaten Wohnung als nicht umsetzbar herausstellen. Hilfreiche Fragen können sein:

  • Wie kann der Kontakt mit der Nachbarschaft unterstützt werden?
  • Wie die Austauschmöglichkeiten unterstützt und erweitert werden?
  • Wie vorgehen, wenn die Person mit kognitiver Beeinträchtigung plötzlich mehr Unterstützung braucht als bisher?
  • An wen kann sich die Person in einem Notfall wenden?

Falls es nicht klappen sollte

Wenn das Wohnen in der eigenen Wohnung doch nicht das Richtige ist, gibt es die Möglichkeiten der begleiteten oder der inklusiven Wohngemeinschaft. Wohnformen, die möglichst nahe am selbständigen Wohnen liegen.